Schlaufen auf der Unterseite und ein Abend mit der Lupe
Mittwochabend, ein Kissenbezug aus Leinen, Geradstich, Stichlänge 2,5. Von oben eine saubere Naht. Beim Umdrehen: lose Schlingen aus Oberfaden auf der Unterseite, als hätte jemand das Garn locker hin- und hergelegt. Das ist ein Klassiker, und das Verwirrende daran ist, dass das Problem fast immer am Oberfaden liegt, obwohl die Schlaufen unten sind. Der Oberfaden wird nicht fest genug nach oben gezogen, also sammelt er sich unten.
Ich bin die Liste durchgegangen, die ich mir nach dem letzten Mal aufgeschrieben habe. Erstens: komplett neu einfädeln, und zwar mit angehobenem Nähfuß, weil nur dann die Spannungsscheiben offen sind und der Faden wirklich dazwischen rutscht. Bei gesenktem Fuß liegt der Faden oben auf den Scheiben, die Spannung ist null, und genau das sieht dann so aus. Neu eingefädelt, Probenaht, immer noch Schlaufen, aber weniger. Zweitens: Oberfadenspannung von 4 auf 5, dann 6. Besser, aber nicht gut, und die Naht fing an, den Stoff zu kräuseln. Zurück auf 4.
Drittens die Spulenkapsel. Herausgenommen, die Spule raus, und mit der Lupe in den Schlitz der Spannungsfeder geschaut. Da saß er: ein Knubbel aus Leinenfussel und altem Öl, so klein, dass ich ihn ohne Lupe für einen Schatten gehalten hätte. Mit einer Stecknadel herausgezogen, die Kapsel mit einem Pinsel ausgefegt, einen Tropfen Öl auf die Greiferbahn. Spule wieder rein, Faden unter der Feder durch, Probenaht. Sauber, oben wie unten.
Was hier passiert war, im Nachhinein: Der Fussel unter der Feder hat die Unterfadenspannung erhöht. Dadurch hat der Unterfaden den Oberfaden nach unten gezogen, und ich habe oben Spannung nachgedreht, um es auszugleichen, was nur den Stoff gekräuselt hat. Als Lehre steht jetzt ganz oben auf der Liste: Spulenkapsel prüfen, bevor am Rad gedreht wird. Leinen fusselt stark, und ich nähe seit September viel Leinen. Die Lupe hat inzwischen einen festen Platz im Nähkästchen, direkt neben dem Nahttrenner, und ich putze die Kapsel nach jedem größeren Stück, nicht erst, wenn es Schlaufen gibt.