Nahtzugabe

Öl, Fussel, Riemen: die Maschine nach einem Jahr

Dezember 2024 · 3 Min. Lesezeit

Ein Jahr nach dem Umzug der Maschine zu mir war das Laufgeräusch anders als am Anfang, trockener, mit einem leichten Rasseln beim Anlaufen, und beim Treten des Fußpedals brauchte sie eine halbe Sekunde, bis sie in Gang kam. Nichts war kaputt, aber alles war ein bisschen vernachlässigt. Also habe ich einen Nachmittag mit der Maschine, einem Fläschchen Nähmaschinenöl, einem Pinsel und einem Schraubendreher verbracht und mir dabei aufgeschrieben, was ab jetzt zur Routine gehört.

Die Stichplatte abgeschraubt, zwei Schrauben, und darunter lag ein grauer Filz aus einem Jahr Fusseln, zwischen Transporteur und Greifer, zusammengebacken mit altem Öl. Mit dem Pinsel und einer Pinzette herausgeholt, es waren mehrere Löffel voll. Die Greiferbahn gereinigt, bis sie glänzte, dann ein Tropfen Öl darauf. Dann die Ölstellen: Bei dieser Maschine sind es kleine Löcher im Gehäuse, oben an der Deckplatte vier, an der Stirnseite zwei, die ich vorher nie beachtet hatte, weil ich nicht wusste, wofür sie sind. In jedes einen Tropfen, nicht mehr, und die Maschine danach zwei Minuten ohne Faden laufen lassen. Überschüssiges Öl kommt sonst beim nächsten Nähen in den Stoff, das habe ich an einem hellen Kissenbezug gelernt.

Das schleppende Anlaufen war der Riemen zwischen Motor und Handrad, ein Gummiriemen, der nach fünfzig Jahren leicht glasig geworden war und auf der Motorrolle durchrutschte. Ein neuer Riemen in passender Länge, 33 Zentimeter, war die einfachste Reparatur des Nachmittags: Motor eine Schraube lösen, alten Riemen ab, neuen drauf, Motor so weit nach unten ziehen, dass der Riemen sich etwa einen Zentimeter durchdrücken lässt, Schraube fest. Die Maschine läuft seitdem beim ersten Tritt an.

Die Routine, die daraus geworden ist: nach jedem größeren Stück Stichplatte ab und Fusseln raus, alle vier Wochen einen Tropfen Öl in die Löcher, wenn ich regelmäßig nähe, Nadel wechseln spätestens alle acht Nähstunden oder sofort, wenn sie beim Einstechen ein Geräusch macht. Die Lampe habe ich gegen ein kühleres Leuchtmittel getauscht, weil die alte Birne heiß wurde und mir den Handrücken gewärmt hat. Mehr braucht die Maschine offenbar nicht. Sie ist älter als ich und in besserem Zustand als manches, was ich zehn Jahre lang besessen habe.