Ein Hemd an den Seitennähten enger machen
Das Hemd war ein Geschenk, guter Stoff, schöner Kragen, aber geschnitten für jemanden mit deutlich mehr Umfang. An der Brust stand es 10 Zentimeter ab, an der Taille noch mehr. Ich habe lange überlegt, ob ich mich daran traue, weil ein Hemd mit Seitennähten, Ärmeln und einem gebogenen Saum keine Hose ist. Was mich überzeugt hat: Die Seitennähte und die Ärmelnähte sind beim Hemd durchgehend, von der Saumkante bis zur Ärmelmanschette, und man kann beide in einem Zug ändern.
Abstecken ging nur mit Hilfe. Hemd anziehen, auf links, so dass die Nähte außen liegen, und jemand anderes steckt mit Stecknadeln entlang der Seitennaht, wie viel weg soll. Ich habe es zuerst allein vor dem Spiegel probiert, das Ergebnis war links 3 und rechts 1,5 Zentimeter, weil ich mich beim Stecken gedreht habe. Mit vier Händen: 2,5 Zentimeter pro Seite auf Brusthöhe, 3 Zentimeter in der Taille, auslaufend auf null etwa 10 Zentimeter über dem Saum, damit der Saumbogen bleibt. Am Ärmel von der Achsel aus die gleiche Linie weitergeführt, auslaufend auf null zur Manschette hin, sonst stimmt die Weite am Handgelenk nicht mehr.
Hemd ausziehen, die Stecknadellinie mit Kreide nachziehen und mit einem Lineal glätten, denn gesteckte Linien sind immer wellig. Den Ärmel in der Achsel gerade durch die alte Naht geführt, dort ist die kritische Stelle: Wenn die neue Naht im Achselbereich einen Knick macht, zieht das Hemd beim Armheben. Dann die alte Naht nicht erst aufgetrennt, sondern die neue Naht direkt daneben gesetzt, Geradstich, Stichlänge 2,5, Nadel 70 für den dünnen Stoff. Erst nach der Anprobe habe ich die alte Naht aufgetrennt und den Überschuss auf 1 Zentimeter zurückgeschnitten.
Die Kanten habe ich mit Zickzack versäubert, weil die Maschine keine Kappnaht hinbekommt, wie das Original sie hat. Von außen sieht man das nicht, innen ist es ehrlich gesagt die Stelle, an der jeder sieht, dass hier geändert wurde. Damit kann ich leben. Zwei Dinge habe ich mir gemerkt. Nie mehr als 3 Zentimeter pro Seite, darüber verschiebt sich die Lage der Brusttasche und der Knopfleiste so, dass das Hemd nicht mehr aussieht wie geschnitten. Und immer erst daneben nähen, anprobieren, dann trennen. Der Abend hat drei Stunden gedauert, das Hemd trage ich seitdem jede Woche.